Algeciras

Jan Haupt – Algeciras

Es begann mit einem weißen Blatt und den ersten Lasuren von Aquarellfarbe. Dünn und durchsichtig legten sie sich übereinander, flossen ineinander wie Schichten von Zeit. Aus diesem Schweben von Blau, Ocker und Terrakotta formte sich nach und nach ein Haus. Nicht irgendeines, sondern das Haus von Wiebke und Joey. Seine Mauern wurden deutlicher, klarer gezogen, während die Nachbarhäuser nur als lockere Andeutungen blieben – hingetuschte Schatten, kaum mehr als Kulisse. Alles sollte auf diesen einen Ort zulaufen, der Mittelpunkt werden, an dem sich etwas bündelt.

Denn dort, in diesem Haus, feierte Daniela ihren Geburtstag. Ein Tag unter südlicher Sonne, begleitet von Stimmen, Lachen, dem Klirren von Gläsern. Aus der Küche kam der Duft von gegrilltem Gemüse, Rosmarin und Olivenöl; auf den Tellern lagen bunte Salate mit reifen Tomaten, frischem Basilikum und Ziegenkäse. Später stand eine Schale mit süßen Orangen und Mandeln auf dem Tisch, deren Aroma die Luft füllte. Alles leicht, sommerlich, voller Farbe – wie das Aquarell selbst.

Und doch war es mehr als eine Feier im Süden – durch Wiebkes und Joeys Hilfe konnte selbst aus der Ferne Deutschlands ein Beitrag geleistet werden. Nähe entstand, wo eigentlich Distanz hätte trennen können.

Das Aquarell wurde zu einem Dank dafür. Es war gedacht als Erinnerung, als Geste, als kleines Festhalten dessen, was Worte schwer tragen. Doch damit endete die Geschichte nicht. Denn das Bild selbst trat die Reise an – von meiner Hand zurück zu dem Haus, das es zeigt. Heute hängt es dort, in seinen eigenen Mauern. Es ist heimgekehrt, wie ein Spiegel, der das Wesentliche sichtbar macht: ein Zuhause, das mehr ist als Stein und Holz. Ein Ort, an dem Freude möglich wurde, getragen von Freundschaft, die über Räume hinweg reicht.

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