Korbwickeln und Perfektionismus
Wenn ich Körbe mache, kann ich mich ganz darin verlieren, das ist bei jeder Art des Gestaltens so, zumindest für mich. Das heißt nicht, dass es ganz locker und leicht ist. Ein gewisses Maß an Konzentration ist auch dabei. Der Faden muss sauber und fest gewickelt werden, ansonsten löst sich am Ende etwas oder es sieht einfach nicht gut aus.
Eine Freundin stellte kürzlich fest, dass ich sehr genau arbeite. Da frage ich mich mal wieder: ist hier Perfektionismus im Spiel?
Das genaue (sorgfältige) Arbeiten ist aus meiner Sicht nicht nur notwendig für ein gutes Ergebnis. Dass ich Dinge so gut mache, wie ich es eben kann, gehört zu meinem Selbstverständnis, genau so wie die Lust am Lernen, wachsen, weiter entwickeln. Schon als Kind fiel mir auf, dass ich da wohl etwas anders gepolt bin. Wenn ich etwas lernen möchte, übe ich eben so lange, bis es klappt. Und wenn es dauert, dann dauert es eben.

Auch Schmerzen nehme ich in Kauf – ich erinnere mich noch lebhaft an die wunden Handflächen nach den ersten Windsurfing-Stunden… So manches Mal blieb ich also als letzte dabei, weiter zu üben, wenn alle anderen schon aufgegeben hatten. Klar könnte ich auch aufhören und mir sagen „das ist wohl nichts für mich“, aber das wäre ja höchstens die halbe Wahrheit. Wie kann ich denn wissen, ob es etwas für mich ist, wenn ich noch gar nicht dazu gekommen bin, es zu machen?
Auch mit Respekt hat das sorgfältige Arbeiten etwas zu tun. Ich respektiere das Handwerk und die Materialien, die ich nutze, indem ich nicht leichtfertig damit umgehe.

Und ist das nun Perfektionismus? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist dass das, was ich mit meinen Händen erschaffe, nicht perfekt ist. Es ist meistens irgendwo ein kleiner Fehler, eine Unebenheit, etwas, das aus der Reihe tanzt, zu finden. Meistens merke ich das erst eine Weile später und dann würde eine Korrektur mit sich bringen, einen nicht unerheblichen Teil der vorangegangenen Arbeit mühsam wieder aufzulösen. Noch vor einigen Jahren habe ich das gemacht, beim Stricken zum Beispiel. Heutzutage lasse ich kleine Fehler durchaus mal stehen.
Meine kreative Praxis ist ein Weg zu mir selbst. Zu finden, was in mir ist und das nach außen zu bringen. Ich bin nie perfekt gewesen und werde es auch in Zukunft nicht sein. Niemand ist das. Also warum sollten dann meine Werke perfekt sein?

Dann wäre die Übereinstimmung, die ich anstrebe, nicht mehr gegeben.
Also nein, ich sehe mich nicht als Perfektionistin. Ich will was ich mache gut machen und investiere dann auch viel. Im Sport habe ich schon als Kind gelernt, dass sich vermeintliche (Leistungs-) Grenzen durchaus verschieben lassen. Vielleicht war das eine Ermutigung für mich, auch weiterzumachen, wenn noch nicht klar ist, was dabei rauskommt. Das Unbekannte ist sicher auch ein wenig verunsichernd. Aber, zumindest in der Kunst, ist es für mich nicht beängstigend. Im Gegenteil, es ist eher eine Art freudige Erregung, die die Neugier begleitet. Diese Neugier und die Beharrlichkeit haben mich schon zu vielen spannenden Momenten geführt. Ich werde so weiter machen, auch wenn ich mir dabei von Zeit zu Zeit mal eine „blutige Nase“ hole.

